Geschichten vom Loslassen
Seit einigen Jahren ist der Abschied in meinem Leben fest integriert, es begleiten mich nicht nur menschliche, sondern vor allem tierische Schicksale. 2015 zog der erste ältere Hund bei mir ein und durfte seine letzten Jahre bei mir verbringen, darauf folgten immer Weitere und von denen werde ich hier erzählen, von unseren schönen, traurigen, lustigen und außergewöhnlichen Momenten.

Nuta 25.06.2005-02.07.2019
Nuta wurde in Rumänien geboren und dort als junger Hund schwer misshandelt, man hat sie unter anderem mit Schrot beschossen und mit einer Metallstange verprügelt, sodass sie ihre Rute und einen Teil des Oberkiefers verlor. Für eine Nasenprothese kam sie dann nach Deutschland zu einem Tierarzt, der sie aufwändig operierte. Ich lernte sie dann während meiner Ausbildungszeit dort kennen und lieben, eine wunderbare Seele, sanftmütig und trotz allem was wir Menschen ihr angetan haben, war sie unfassbar freundlich und offen allen Menschen gegenüber. Sie hat sich aufopferungsvoll um die Junghunde gekümmert, die ebenfalls aus dem Ausland zu diesem Tierarzt gebracht wurden um medizinisch versorgt zu werden. Als die Praxis Jahre später dann umzog, durfte Nuta, mittlerweile 10 JAhre alt, zu mir umziehen. Die Nasenprothese trug sie schon lange nicht mehr, weil sie wohl das Material nicht vertragen hat, ihre Fangzähne vom Unterkiefer waren schon abgeschliffen über die Jahre, Bisswunden zierten ihre Vorderbeine und ihren Kopf. Sie wurde wohl vor kurzem erst von einem anderen Hund hälftig attackiert. Ich nahm sie mit nach Hause und pflegte sie, sie war der Grund warum ich dann recht schnell bei meinen Eltern ausgezogen bin, weil die beim dritten Hund langsam die Schnauze voll hatten. Tja, die hatten wohl noch keine Ahnung wo das mal enden wird...
Meine Ersthündin Emmy und meine Zweithündin Wölfchen, letztere war auch aus dem Tierschutz aber dazu an anderer Stelle mehr, haben Nuta sofort aufgenommen und akzeptiert. Es war so harmonisch mit den Dreien und Nutas Wunden verheilten gut, ihr Fell wurde immer schöner und sie blühte immer mehr auf. Im Juni 2019 dann der Schock, bei der Futter- und Wasseraufnahme atmete Nute komisch, verschluckte sich ungewöhnlich häufig und so stellte ich sie bei meiner Tierärztin vor. Ein Röntgenbild der Nase brachte Klarheit, eine Umfangsvermehrung blockierte die Atemwege der Nase, kurzum wurde sie einige Tage später schlafen gelegt um den vermeintlichen Fremdkörper zu entfernen. Sowohl meine Haustierärztin als auch der operierende Tierarzt wo sie jahrelang gelebt hatte, waren sich sicher, dass es sich um einen Fremdkörper handeln würde. Mein Bauchgefühl sagte leider was völlig Anderes, denn um einen Fremdkörper in den Rest ihrer Nase zu bekommen, müsste sie sich ziemlich verrenken, weil der Unterkiefer ja deutlich länger war als der Oberkiefer. Ich sollte recht behalten. Meine Hunde waren dabei als Nuta in Narkose ging, das ist unser Ritual, dass sie nicht allein einschlafen. Dann sollte die OP losgehen und ich machte mich mit Emmy und Wölfchen auf einen Spaziergang los, kaum ein paar Meter von der Praxis entfernt, klingelte mein Handy. Als ich sah, dass der Tierarzt anrief, kullerten bereits die Tränen, er bat mich sofort zurück zu kommen. In der Praxis angekommen, holte er mich in den OP, Nuta lag dort noch in Narkose, eine Blutpfütze um ihren Kopf herum. Der Tierarzt erklärte mir dann, dass es entgegen seiner Erwartung wohl leider ein Karzinom sei, ein bösartiger, sehr blutiger Tumor und dass wir nun Entscheidungen fällen müssten. Ich wusste, dass es egoistisch und unfair wäre sie aufwachen zu lassen, denn sie würde im schlimmsten Falle ersticken beim Versuch zu fressen oder zu trinken. Also wurde Nuta am 2. Juli 2019 eingeschläfert.
An ihrem Tod habe ich lange zu knabbern gehabt, ich fand ihr Schicksal so grausam, nicht nur, dass Menschen sie so stark verletzten, dass sie die Nase und einen Teil des Oberkiefers verlor, dann stirbt sie am Ende mit top Blutwerten und bestem Allgemeinzustand an einem bösartigen Tumor in eben genau dem Rest ihrer Nase, der ihr geblieben war?! Bis heute macht mich das unfassbar traurig, dass ich nur diese 4 Jahre mit ihr haben durfte und zeitgleich bin ich dankbar, dass es immerhin diese 4 Jahre gewesen sind und durch Nuta wurde mir klar, dass ich genau das möchte, Hunden ein Zuhause geben, an die kaum noch jemand glaubt, die alt oder krank sind und einfach Hilfe brauchen. Nuta war also der Anfang dessen, was mich auch 7 Jahre später noch begleitet.

Manu 24.07.2009-06.04.2020
Manu war ein wunderbarer Rhodesian Ridgeback, den ich schon 2011 kennenlernen durfte. Schon damals war er der beste Spielfreund von Wölfchen, die beiden haben Meter um Meter zurückgelegt und sich super verstanden. Einige Jahre war der Kontakt dann eingeschlafen, bis Frauchen von Manu sich meldete, weil sie nach einem Unfall eine Gassihilfe gesucht und von meinem Gassiservice erfahren hatte. Also nahm ich Manu regelmäßig mit auf Spaziergänge. In 2019 starb Manus Herrchen dann leider und Frauchen konnte dem großen Rüden nicht gerecht werden und fragte mich, ob Manu bei mir sein könnte, für seine letzte Zeit. Bei Manu war zu diesem Zeitpunkt bereits eine Krebserkrankung diagnostiziert. Also durfte er den "Hospizplatz" von Nuta "erben" und zog im Herbst 2019 bei uns ein. Kurz nach Einzug hatte Manu ein Vestibularsyndrom, mit Infusionen betreute ich ihn bei mir zuhause und ein paar Tage später war er schon wieder recht gut beisammen. Im April 2020 dann ger Schock, an meinem Geburtstag war ich zum Spaziergang mit einer Freundin verabredet und anschließend unterhielten wir uns noch einen Moment, als sich Manu plötzlich einen anderen Hund anging und dabei so verletzte, dass der andere Hund unter Narkose genäht werden musste. Für sein Frauchen war nach dem Vorfall klar, dass der Krebs in den Kopf gestreut haben musste, weil Manu so ein Verhalten sonst noch nie gezeigt hatte und am 06.04.2020 wurde Manu dann beim Tierarzt erlöst. Mir fiel der Abschied von ihm besonders schwer, weil die zwei Tage zwischen Beissvorfall und Euthanasie fast normal abliefen, zwar war er überwiegend durch Maulkorb gesichert, weil die Sorge mitschwang, dass er vielleicht nächstes Mal einen der deutlich kleineren Hunde erwischen könnte, aber ihn dann so plötzlich zu verlieren, war sehr schwer. Mit etwas Abstand würde ich heute sagen, dass ich nicht noch mal einen Hospizhund aufnehmen würde, bei dem ich nicht das letzte Wort bei solchen Entscheidungen trage. Manu war ein ganz besonderer Hund, er hat mit Emmy und Wölfchen gemeinsam auf Kommando gejault und klang dabei alles andere als nach einem Hund, es war zu lustig. Man konnte herrlich mit ihm herumblödeln und gelegentlich hat er mich auch mal stehen gelassen und "eigene Interessen" verfolgt, wenn er dann mal kurz einem Reh nachgelaufen ist, ohne eine Chance auf Erfolg und ich bin mir sicher, dass er sauer auf mich war, weil ich durch mein hinter ihm herrufen das Reh noch mehr verjagt habe, anstatt ihm einfach zu helfen es zu fangen - unnütze Zweibeiner... Ach ja, ich denke gern an ihn zurück, wie alle meine Hunde hat auch er für immer einen festen Platz in meinem Herzen.

Mandy 23.05.2004-14.11.2020
Mandy ist im gleichen Jahr geboren, wie meine Ersthündin Emmy. Bei Facebook sah ich den Beitrag, in dem Mandy im Januar 2019 ein neues Zuhause suchte. Ihr Frauchen kam ins Seniorenheim. Immer wieder stolperte ich über ihren Beitrag und immer wieder dachte ich "Nein, du hast schon genug Hunde...". Als sie nach zwei Wochen immer noch "zu haben" war, es war Mitte Januar, kontaktierte ich die im Text angegebene Telefonnummer und nach einem sehr netten Gespräch über die Abgabegründe und was ich der betagten Hündin so zu bieten habe, einigten wir uns darauf, dass -sofern Mandy bis 01.02.2019 kein besseres Angebot bekommt - sie bei mir einziehen wird.
Ich hatte von Mandy bis zum Tag der Abholung nur ein einzelnes Foto gesehen, eine seitliche Aufnahme ihres Kopfes und in meinem Kopf kreiselte immer wieder der Gedanke, ob es sich um eine Wurfschwester meiner Emmy handeln könnte? Der Tag der Abholung - wie sollte es auch anders sein - war dann Anfang Februar, ich fuhr auf den Hof mehrerer, großer Wohnhauskomplexe und sah dort eine Dame stehen, mit einem Hund. "Das wird wohl hoffentlich nicht "meine" Mandy sein", dachte ich bei mir selber, denn dieser Hund hatte die Form eines Toastbrotes, viel zu breit und eingewickelt in einen Pullover. Ich fand einen Parkplatz, die Dame mit dem etwas gut gefütterten Hund folgte mir und strahlte mich an, als ich ausstieg: "Hallo Frau X, das hier ist Mandy!", wieder musste ich jegliche sarkastische Antworten unterdrücken, wie beispielsweise "das sind ja gleich zwei". Stattdessen tönten weitere Stimmen aus dem Hintergrund, Nachbarn, des an Demenz erkrankten Hundefrauchens, die mir so viele Informationen gemischt vorwarfen, dass ich sie kaum zu fassen bekam. Die für mich wichtigsten waren aber: Mandy ist gar nicht zu dick, das sind alles Tumore. Diesen Hund jetzt noch umziehen zu lassen, wäre schändlich, sie gehört auf der Stelle eingeschläfert, das sieht man doch. Alles Andere war nur Schall und Rauch, denn ich hockte mich runter zu Mandy, schaute sie mir an, tastete ihren betagten Körper ab und wusste, die nehme ich mit.
Gesagt - getan. Ich unterschrieb eine Vereinbarung, dass Mandy Eigentum von ihrem Frauchen bleibt, gut für mich, denn so wurden auch weiterhin Steuer, Versicherung und Tierarzt von Frauchen finanziert und gut für Frauchen, denn sie bekam gelegentlich Post von Mandy und einmal konnten wir sie sogar besuchen - was leider ein einmaliges Ereignis blieb, weil es der Psyche von Frauchen überhaupt nicht gut getan hat.
Noch am Abholtag gab es den ersten Tierarztbesuch, Mandy hatte wohl gelegentlich Durchfall und aufgrund ihrer Fellstruktur (ein Mischling nichthaarender Rassen - mehr braucht es wohl nicht zu sagen) gab es eine unschöne, nicht gerade wohlriechende Situation, der dringend Abhilfe verschafft werden musste. Also wurde - die zu dem Zeitpunkt knapp 16kg "leichte" - Hündin direkt von ihrem ersten Filz und dem schmuddeligen Pofell befreit. Die Feinarbeit übernahmen meine beste Freundin und ich dann in ihrer Stallgasse, warmes Wasser und Shampoo brachten dann erstmal zum Vorschein, was verfilztes Fell und der schmuddelige Pullover so verbargen.
Diese Geschichte dient nicht dazu sich über die Nebenwirkungen einer Erkrankung wie Demenz zu amüsieren - sie dient viel mehr dazu aufzuzeigen, wie wichtig es ist, dass man sich nicht in der angrenzenden Wohnung den Mund über das Frauchen und "den armen Hund" zerreißt, sondern dass man aufsteht, hingeht, Hilfe anbietet und tut, was Menschlichkeit uns lehrt.
Mandy nahm ab, ihre "Tumore" verschwanden wie von Geisterhand, denn was angeblicher Grund zur sofortigen Euthanasie war, waren einfach massive Fetteinlagerungen - Dinge, die passieren, wenn man krank wird und vergisst, dass man bereits gefüttert hat. Nach einigen Monaten hatte Mandy ihr Gewicht wohlwollend halbiert, aus der kleinen Dampflock wurde ein schmaler ICE mit dem unerschütterlichen Lebenswillen, den auch ihr Frauchen immer an den Tag legte. Menschen, die Mandy noch mit Frauchen kannten und zuletzt im Februar gesehen hatten, staunten nicht schlecht, plötzlich war es kein "halbtoter, alter Hund" mehr, sondern eine richtige Lady, ein Hund mit Ideen - guten wie schlechten und davon reichlich.
Mandy hat mich mehrmals an den Rande des Wahnsinns gebracht, einmal - das wird mich wohl mein Leben lang begleiten - gingen wir wie jeden Morgen unsere Gassirunde mit Freunden, das morgendliche Ritual sah auch vor, dass der Hofangestellte des Pferdezüchters im Ort, uns begegnen würde, wenn er den Mist wegfährt. So auch an diesem Tag, also holten wir alle Hunde auf die seitlich am breiten Feldweg gelegene Grasnaht. Fast alle, Mandy blieb auf dem Feldweg stehen, Madame betritt doch nicht ernsthaft freiwillig das noch feuchte Gras. Soll doch der Hofarbeiter einfach außenrum fahren. Dieser grüßte uns wie immer freundlich, während ich nach Mandy Geschirr griff um sie beiseite zu ziehen. Mandy hingegen dachte, das wäre der perfekte Moment für eine Diskussion, sprang mittig auf den Feldweg, voller Empörung und verstand nicht, warum wir Zweibeiner uns die Seele aus dem Leib brüllten. Der Traktorfahrende auch nicht, denn durch den Pferdemist, den er vorne geladen hatte, konnte er den verhältnismäßig kleinen Hund nicht sehen und fuhr einfach weiter. Mandy blieb wie angewurzelt stehen, als der Traktor durch war, trauten auch wir uns wieder hinzuschauen und Mandy lief freudestrahlend dem Traktor ein paar Meter nach, getreu dem Motto "Richtig so, fahr gefälligst an mir vorbei!", ja, was soll ich sagen, meine Ersthündin hat Zeit ihres Lebens nicht verstanden, dass Pferdebeine keine einzelnen, beweglichen Bäume sind, sondern zusammen gehören, also hat Mandy wohl auch nicht verstanden, dass sie gerade von einem Traktor überrollt wurde und nicht einfach Opfer einer punktuellen Sonnenfinsternis wurde. Wir waren gottlos erleichtert, Mandy nicht, denn an ihr hing ab diesem Tag, erstmal für eine ganze Weile, eine Flexileine - auf das uns sowas NIEWIEDER passieren möge. Dass dieser Text schon eher zum Schmunzeln animiert, liegt einzig daran, dass ich ihn nach einigen Jahren und mit deutlich mehr Abstand schreibe, damals brauchte ich in der Situation beinahe einen Notarzt und wäre es anders geendet, hätte ich mich vermutlich auch vor einen Traktor geworfen...
Die zweite Situation - mal wieder typisch Mandy - war dann kurz vor ihrem 16. Geburtstag, als wir eine schöne Runde wandern gehen wollten - fernab, der an diesem Tag typischen "Alkoholwanderer". Begleitet von einer super tollen Wanderapp, deren Wegbezeichnungen wir nun besser kennen, als uns lieb war, denn der "unbefestigte Wanderweg" entpuppte sich vor Ort dann nicht mal mehr als "Wildwechsel". Tja, die Dutzenden km zurücklaufen oder einfach über ein paar Bäume krachseln, das war nun die Preisfrage. Kurzerhand entschieden wir uns für den Abenteuerspaziergang. Mandy und Emmy, die jeweils ein eigenen Bollerwagen hatten, damit sie auf langen Touren ausreichend Verschnaufen konnten, trugen wir nach einander rüber auf den wieder befestigten Weg, da es mich und meine Begleitung brauchte, um dies zu tun, trugen wir zunächst den Wagen mit Emmy rüber. Nun eilten wir zurück und mussten feststellen, dass Mandy sich mal wieder einen eigenen Weg gesucht hatte, nur leider führte dieser so gar nicht in unsere Richtung. Die Suche ging los, wir riefen, suchten das gesamte Waldstück ab, irgendwann beschlossen wir dann Hilfe dazu zu holen. Wir durchkämmten das Gebiet in dem wir wandern waren mit Autos, zu Fuß, mit Fahrrädern, sogar mit hilfsbereiten Mantrailern - ohne Erfolg. Eine schlaflose Nacht stand mir bevor und die große Sorge, dass ihr was zugestoßen sein könnte. Wie alle meine Hunde war auch Mandy ausgestattet mit einem Halsband mit Name drauf und einem Geschirr mit Handynummer, aber das bringt erstaunlich wenig, wenn niemand sie zu sehen bekommt. Erst am frühen Nachmittag des Folgetages kam dann er erlösende Anruf, eine Freundin konnte Mandy ausfindig machen, die zielstrebig auf dem Weg Richtung unserer geparkten Autos lief, den exakt selben Weg, den wir am Vortag zu Ende gewandert sind. Schlaue Maus. Die Videos, die besagte Freundin dann machte, als ich und Mandy uns dann endlich wieder sahen, bringen mich heute noch zum Weinen, man kann sich nicht vorstellen wie winzig so ein Hund ist, wenn er dann verschwindet. Man glaubt das Gebiet zu kennen, in dem man aufgewachsen ist - man irrt sich.
Mandy hat mich gelehrt, dass niemand frei ist von Fehlern, dass wir jeden Tag Entscheidungen treffen, die sich erst im Nachgang als gut oder ungünstig erweisen und dass - egal wie viele Gedanken man sich macht - man gar nicht so deppert denken kann, wie die Realität machmal eintrifft.
Mandys Tod kam genau so plötzlich wie ihre "guten Ideen", ein Hinken am Vortag, dass auch nach Krallenkürzen und Pfoten waschen nicht nachließ, wurde am Folgemorgen zum blanken Horror, erste Symptome erinnerten ans Vestibularsyndrom, aber ihr Zustand besserte sich auch nach den Medikamenten nicht, sondern wurde minütlich schlechter. Am Ende des Tages fanden wir uns weinend in der Praxis meiner damaligen Haustierärztin wieder und mussten die großartige Seele von ihrem Leid befreien, die zu diesem Zeitpunkt nicht mal mehr ihren Kopf heben konnte. Was der Grund für diese rapide Verschlechterung war, konnten wir nicht mehr herausfinden, hätte aber wohl auch nicht mehr geholfen. Mandy bleibt in ewiger Erinnerung als dickschädlige, liebenswerte, immer hungrige und absolut lustige alte Dame. Ein Hund, den ich immer wieder gern aufnehmen würde und eine Entscheidung, die ich bis heute nie bereut habe.

Lara 03.07.2005-12.07.2023
Lara kam ursprünglich nur temporär in meine Obhut, als Frauchen bereits in einer Seniorenresidenz verweilte und Herrchen in Kurzzeitpflege musste, brauchte die zu dem Zeitpunkt etwa 14,5 jährige Golden Retrieverhündin eine passable Unterkunft. Man hatte schon mal von mir gehört und da meine Handynummer ohnehin überall bekannt war, wurde ich angefragt.
Wer dem Charme eines alten Retrievers nicht erliegt, hat einfach kein Herz - ich jedenfalls war sofort verliebt in die Hündin, die zwar etwas korpulent aber ansonsten noch gut bei der Sache war. Sie trug einen sehr großen Fetttumor (Lipom) an ihrer rechten Schulter, die sie schon störte, der behandelnde Tierarzt eine OP aber leider ablehnte, aufgrund ihres Alters. Es kam wie es kommen musste, auch Laras Herrchen war so schwer erkrankt, dass eine Rückkehr ins selbstständige Leben zuhause nicht mehr möglich war und weil es Lara bisher sehr gut bei mir zu gefallen schien, wurde ich gefragt, ob sie bei mir bleiben könnte. Natürlich blieb sie.
Wir waren ein eingeschworenes Team, ich stellte mein Essen auf den Tisch, verließ den Raum um mir noch etwas zu trinken zu holen, Lara ließ indes mein Essen verschwinden. Meine Hunde und ich machten große Bögen um triefige Pfützen - Lara legte sich rein. Wenn ich so zurück denke, muss ich schmunzeln, ich glaube nämlich, dass die Tage an denen Lara sauber war, nicht besonders Viele gewesen sind. Ich jedenfalls erinnere mich noch gut an jene Spaziergänge, nach denen ich sie erstmal gründlich mit dem Wasserschlauch bearbeiten musste.
Nachdem sie einige Kilos abgenommen hatte und der Fetttumor noch viel mehr zum Vorschein kam, entschieden wir (die Angehörigen von Laras Herrchen und Frauchen), dass wir ihr die OP um diesen zu entfernen noch ermöglichen wollen. Es war eine große OP, ein knapp 2kg schwerer Tumor wurde entfernt und danach brauchte es Drainagen und viel Geduld, bis die große Wundhöhle endlich verheilt gewesen ist. Aber Lara war unschlagbar, nichts konnte ihre Lebensfreude hemmen, sie fand in allem einen Grund sich wie ein kleines Kind zu freuen, schon allein sie anzusprechen oder zu streicheln genügte, dass ihr ganzer Körper vor Freude tanzte. Lara war die Gute Laune pur, verpackt in einem haarigen Körper.
Doch auch Lara wurde älter und wann immer es ihr nicht gut ging, hatte ich ihr versprochen mit ihr an ihren Lieblingsort zu fahren, ein See, mit Sandstrand für Hunde, wo sie so gern schwimmen ging und natürlich ließ sie es sich nicht nehmen mich dort bis auf die Knochen zu blamieren. Stellt euch vor ihr geht dorthin und habt alleine 4-10 Hund dabei, alle hören super, sind super lieb, dann leint ihr sie ab und sie spielen mit anderen Hunden - alles ist super. Dann hat der Golden Retriever nach dem Schwimmen aber ein Hüngerchen und schon hört man die ersten Rufe "Entschuldigung, wem gehört der Golden Retriever hier?" Kleinlaut und etwas beschämt hob ich jedes Mal die Hand, eilte los und zog den. Kopf von Lara aus fremder Leute Picknick-Proviant. Nichts ist peinlicher als der Moment, in dem du dich fühlst wie eine Mutter von 7 Kindern, wovon alle hören, nur nicht auf dich. Lara fand das jedes Mal klasse, schwimmen und essen, das Paradies für einen Retriever wie sie.
Im Frühsommer 2023 gingen wir schwimmen mit Freunden, Lara war so motiviert, sie konnte mittlerweile nur schwerlich längere Runden laufen, nach unserem Umzug in ein neues Haus, schlief sie im Erdgeschoss, weil sie die Treppe nach oben nicht mehr bewältigen konnte, ihre Pfoten schliffen, die Augen wurden trüb und hören war auch mehr und mehr Glückssache - wobei das eigentlich immer so war - kaum parkten wir auf dem Parkplatz am See, sprang Lara freudestrahlend aus dem Auto. Ich machte Witze, denn bis zum Hundestrand waren es einige Meter, und sagte zu einem Freund, nimm sie ruhig und lauft schon mal vor, wir holen euch wieder ein. Hätten wir nicht, denn wenn der Freund nicht auf uns gewartet hätte, während Lara stramm in der Leine hing Richtung Hundestrand, hätten wir sie wohl nicht mehr eingeholt, so flott war sie dann wieder. Am See angekommen gab es das obligatorische Gruppenfoto auf dem alle Hunde noch trocken sind und dann die Freigabe. Lara stürzte sich ins Wasser und schwamm, sie war der glücklichste Hund auf der Welt. Diese Besuche am See gaben uns immer wieder ein paar Tage Aufschwung, denn ihr Abbau ging rapide voran, Kot konnte sie kaum noch einhalten, laufen fiel ihr immer schwerer und Schmerzmittel brauchte sie inzwischen auch regelmäßig.
Am 12.07.2023 kam dann der letzte Besuch am See, hätte ich kommen sehen, was passieren würde, ich weiß nicht, ob ich dennoch hingefahren wäre. Lara ging es wieder schlecht und wieder versprach ich ihr, dass wir noch mal zum See fahren, weil sie dort immer so glücklich ist. Auto gepackt und mit dem Wagen für Lara auf den Weg gemacht. Diesmal joggte sie nicht zum Hundestrand, wir brauchten hingegen eine Zeitlang ehe wir angekommen waren - aber was soll´s, sie bestimmt das Tempo. Nach dem Gruppenfoto ließen wir die Hunde losflitzen, ich ging mit ins Wasser und machte mit den Seniorhunden ein paar Schwimmübungen. Immer wieder schaute ich zur Seite und sah wie Lara ihre Bahnen schwamm, es tat so gut sie so zu sehen. Sie machte immer wieder Pausen, in denen stellte sie sich ans flachere Ufer, trank einen Schluck um dann wieder weiter zu schwimmen. Als ich dann wieder zu ihr rüber sah, sagte ich zu meiner Begleitung: "Schau wie schön sie schwimmt!", beide blickten wir rüber und sahen ihre Rückenlinie und wie sie mit ihrer Rute die Richtung vorgab, bis sie plötzlich verschwand. Ich schrie los, rannte durchs Wasser zu ihr, während meine Begleitung am Strand entlang ebenfalls zu ihr rannte. Es fühlte sich wie eine Ewigkeit an, bis ich endlich bei her war, ich packte sie, zog sie über Wasser und trug sie ans Ufer. Sofort legte ich sie ab, mit dem Kopf nach unten gelagert und begann sie zu beatmen und zu reanimieren. Doch aus ihrem Maul kam Blut und dann sagte meine Belgietung, dass ich aufhören sollte. Ich rief meine Haustierärztin verzweifelt an, wollte nicht verstehen, was gerade passiert war, machte mir Vorwürfe, ist sie etwa ertrunken?
Nachfolgend kam ich gemeinsam mit Tierärzten meines Vertrauens zu dem Schluss, dass sie evtl einen Infarkt erlitten hat, denn bis ein Hund mit diesem Lungenvolumen ertrinkt, würde es eine Weile dauern, dafür ging das alles viel zu schnell. Ganz egal was genau passiert war, in der Situation war es furchtbar schlimm für mich und ich bin seither nie wieder an dem See gewesen. Lara bleibt für immer unvergessen in all ihrer Einzigartigartigkeit aber vor allem in ihrer stets so herzigen, lustigen, freundlichen und fröhlichen Art.

Jenseits des Gewöhnlichen
Hier beginnt unsere Reise. Lernen Sie unser Unternehmen und unsere Arbeit kennen. Wir legen großen Wert auf Qualität und hervorragenden Service. Begleiten Sie uns, während wir gemeinsam wachsen und erfolgreich sind. Wir freuen uns, dass Sie hier sind, um Teil unserer Geschichte zu sein.